Sehr geehrte Frau Kollegin,
sehr geehrter Herr Kollege!


2022 war wohl auch für die meisten von uns kein einfaches Jahr. Pandemie, Krieg,
Energiekrise und Inflation ergeben einen brisanten Probleme-Mix, den man seit vielen
Jahrzehnten so nicht kannte, und bedeuten völlig neue Herausforderungen nicht nur für
Politik und Wirtschaft, sondern wohl auch für jeden Menschen individuell.
Dass 2022 als Krisenjahr mit insgesamt wenig Spielraum für Zukunftsoptimismus in
Erinnerung bleiben wird, sollte allerdings bei einem Jahresrückblick nicht in Vergessenheit
geraten lassen, dass es in der ärztlichen Standespolitik eine ganze Reihe schöner Erfolge gab
und gibt. Immerhin ist es uns gemeinsam im letzten Wahlkampf und danach gelungen, nach
zehn Jahren wieder eine tragfähige Koalition unter der Führung der Vereinigung zu
verhandeln und den Präsidenten der Wiener Ärztekammer zu stellen. Dass wir in Wien vier
von fünf Präsidiumsmitglieder stellen und in allen Gremien solide Mehrheiten haben, ist das
Produkt harter und konsequenter politischer Arbeit. Umso erfreulicher, dass wir auch die
Position des Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer zurückerobern konnten.

Dafür bedanke ich mich an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich bei allen, die mit ihrem
engagierten Einsatz diese schönen Erfolge für die Vereinigung ermöglicht haben.


Dass damit die Weichen für die künftige Kammerpolitik erfolgreich gestellt werden konnten,
zeigt auch der historisch hohe Anteil von Kolleginnen in der Standesvertretung. Ich bin sehr
stolz darauf, dass es uns gelungen ist, den zunehmenden Frauenanteil in der Medizin auch
bei unseren Funktionärinnen abzubilden, und das selbst in Spitzenpositionen. Von einem
vergleichbar hohen Anteil erfolgreicher und engagierter Repräsentantinnen sind andere
Fraktionen meilenweit entfernt. Eine Feststellung, die ich mit meinem herzlichen Dank an die
Kolleginnen dafür verbinden möchte, ihre wertvolle Zeit für standespolitische Arbeit zu
investieren und für politische Positionen zur Verfügung zu stehen.
Auch dass die fraktionelle und inhaltliche Basis unserer Koalition ausgesprochen breit
angelegt ist und höchst unterschiedliche Positionen umfasst, erweist sich als vorteilhaft.
Entscheidungsprozesse mögen zwar derart, insbesondere in den Anfangsphasen einer neuen
Koalition, einen höheren Abstimmungsbedarf erfordern. Allerdings berücksichtigen die dabei
beschlossenen Ergebnisse dann sehr viele Positionen und sind entsprechend belastbar. Das
alles ist im besten Einklang mit dem Selbstverständnis und der Tradition der Vereinigung,
nicht Partikularinteressen zu vertreten, sondern breite Meinungsspektren und
unterschiedliche Positionen zu integrieren.
Umso optimistischer sollten wir gemeinsam in die standespolitische Zukunft gehen, die mit
Sicherheit keine einfache sein wird. Um bevorstehende Herausforderungen bestmöglich zu
bewältigen, ist auch weiterhin unser engagierter Einsatz eine wesentliche Voraussetzung. Ich
wünsche uns allen die Kraft, die dafür nötig sein wird, und hoffe, dass Ihr die bevorstehenden
Feiertage dafür nützen könnt, diese Kraft zu tanken.

Und ich wünsche uns allen, dass die politischen und wirtschaftlichen Probleme, die das
Jahr 2022 so dramatisch überschattet haben, möglichst bald gelöst werden können.


Frohe Weihnachtsfeiertage und alles Gute für 2023!
Ihr Johannes Steinhart